DZ BANK [KUNSTSAMMLUNG] - Art Foyer

Presse

Die von Thomas Rietschel kuratierte Ausstellung aus Werken der DZ BANK Kunstsammlung zeigt das Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und scheinbarer Realität


28 Arbeiten von dreizehn internationalen Künstlern, welche die Wahrnehmung gleich in
mehrfacher Hinsicht infrage stellen, sind in der Ausstellung „[AN-]SICHTEN: Vom Umgang mit
der Wirklichkeit“ vom 29. September 2017 bis 6. Januar 2018 im ART FOYER zu sehen.

Das Ausstellungsformat [AN-]SICHTEN wird von einem Gastkurator aus einem anderen
Kulturbereich gestaltet. In diesem Jahr wurde Thomas Rietschel, ehemaliger Präsident der
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt, eingeladen, eine Ausstellung aus der
DZ BANK Kunstsammlung zu kuratieren. Thomas Rietschel hat Fotografien der Sammlung
ausgewählt, die auf unterschiedliche Weise das Spannungsfeld aufzeigen zwischen einer
vermeintlich objektiven Wirklichkeit und dem, was sie als scheinbare Realität darstellen. Ein Thema,
das durch die gesellschaftspolitische Diskussion um „Fake News“ gerade einen aktuellen Bezug
erhält.

Vertreten sind Fotoarbeiten aus der Sammlung von Gregory Crewdson, Thomas Demand, VALIE EXPORT, Joan Fontcuberta, Anton Henning, David Hockney, Barbara Klemm, Rosemary Laing, Louise
Lawler, Ville Lenkkeri und Helen Sear sowie Neuerwerbungen von Barbara Probst und Michael
Schäfer.

Thomas Rietschel empfiehlt, die Ausstellung als kleine Übung im vielfältigen Umgang mit der
Wirklichkeit zu sehen und stellt die Arbeit „Exposure #56, NYC, 428 Broome Street, 06.05.08,
1:42 p.m.“ von Barbara Probst (*1964 in München) ins Zentrum. Darin zeigt die Künstlerin eine
Szene, die zur selben Zeit von zehn im Raum verteilten Kameras aus zehn Perspektiven fiktiver
Zeugen fotografiert wurde. Alle nehmen einen anderen Ausschnitt derselben Szene auf. Doch statt
einen umfassenden Eindruck der Realität zu erhalten, entfernt sich damit der Betrachter von der
einen Wirklichkeit.

Pressefotografien sind der Versuch, eine größtmögliche Annäherung an die Realität zu schaffen und
sollen Zeitgeschehen dokumentarisch abbilden. Barbara Klemm (*1939 in Münster) war von 1970
bis 2005 Redaktionsfotografin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Ihr gelingt es, Bilder entstehen zu lassen, die als Schlüsselmomente der Geschichte gelten und sich ins kollektive
Bildgedächtnis einprägen.

Auch Thomas Demand (*1964 in München), der 1997/98 Stipendiat der DZ BANK
Kunstsammlung war, hat einen Bezug zur Pressefotografie: Er baut berühmte Tatort- und
Pressefotografien detailgetreu aus Papier nach, um sie dann zu fotografieren. Die Arbeit „Büro“
bezieht sich auf ein Zeitungfoto vom 15. Januar 1990, als Bürger der liquidierten DDR das
Hauptquartier der Staatssicherheit in Berlin stürmen. Überall im Büro liegen durchwühlte Akten und
Blätter, die im Nachbau bei Demand jedoch unbeschrieben sind.

Das Bildmaterial aus dem Internet, das Michael Schäfer (*1964 in Sigmaringen) als Ausgangsbasis
dient, stammt oft vom Portal „LiveLeak – Redefining the Media“, das Videos von Betroffenen und
Zeugen eines Geschehens zeigt. Die zumeist aus Kriegsregionen stammenden Bilder bearbeitet er
nach und überschneidet sie mit subjektiven Alltagssituationen. Als derart umdefinierte Vorlagen
schleust er sie erneut in die Bilderflut ein.

Ville Lenkkeri (*1972 in Oulu, Finnland) beschäftigt sich mit der Tatsache, dass der Mensch
Gefallen daran hat, sich auf unterschiedliche Weise selbst Realität vorzuspielen. In den simulierten
Wirklichkeiten, die er beispielsweise in Dioramen in Naturkundemuseen oder Wachsfigurenkabinetten
fotografiert, verstärkt die Anwesenheit einer Person das raffinierte Spiel zwischen
Realität und Fiktion.

Die großformatigen Fotoarbeiten des amerikanischen Künstlers Gregory Crewdson (*1962 in
Brooklyn, USA) werden oft als unheimlich, mysteriös und fantastisch beschrieben. Der Künstler
betont immer wieder, dass seine Bilder von einer Psychologie beeinflusst sind, die auf Sigmund
Freuds Aufsatz „Das Unheimliche“ (1919) zurückgeht. In seinen aufwendigen Inszenierungen, die
wie Filmstandbilder wirken, ist kein Detail zufällig, keine Pose und Geste unbeabsichtigt.

Louise Lawler (* 1947 in Bronxville, New York, USA) zeichnet in ihrer Arbeit „Add To It (E)“ die
Entwicklungen und Wechselwirkungen zwischen Fotografie und Malerei nach. Durch das Ablichten
von Kunstwerken unter Einbeziehung des Ortes thematisiert Lawler die Wahrnehmung von
Kunstwerken. Auf der ersten Ebene fotografierte sie die Hängung einer eigenen Arbeit in einer
Ausstellung 2003 im Portikus Frankfurt. Auf dieser Fotografie ist Gerhard Richters „Ema – Akt auf
einer Treppe“ von 1966 auf dem Boden gegen die Wand gelehnt im New Yorker MoMA zu sehen.
Richter wiederum wurde zu seinem Bild durch Marcel Duchamps Malerei „Akt, eine Treppe
herabsteigend Nr.2“ aus dem Jahre 1912 inspiriert. Und Duchamp bezieht sich auf Eadweard
Muybridges Serienfotografie „Woman Walking Downstairs“ von 1887.

Ähnlich wie Lawler stellt auch David Hockney (*1937 in Bradford, England) Malerei und
Fotografie einander gegenüber. Er präsentiert auf seiner Fotografie eine Vase mit Blumen neben
einem Gemälde, welches nahezu exakt dasselbe Motiv wiedergibt.


[AN-]SICHTEN
Vom Umgang mit der Wirklichkeit

29. September 2017 – 6. Januar 2018
ART FOYER der DZ BANK

PRESSEVORBESICHTIGUNG
Mittwoch, 27. September um 11 Uhr mit Dr. Christina Leber, Leiterin der
DZ BANK Kunstsammlung sowie Barbara Klemm und Michael Schäfer
Gerne stehen die Künstler für Interviews zur Verfügung.

ERÖFFNUNG
Donnerstag, 28. September 2017 um 19 Uhr
Begrüßung: Dr. Cornelius Riese, Mitglied des Vorstands der DZ BANK AG
Einführung: Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung

PODIUMSDISKUSSION
»Vom Umgang mit der Wirklichkeit« mit Gregor Ade (Brand Consulting), Gerhart Baum (Politiker), Barbara Klemm (Künstlerin) und Michael Schäfer (Künstler)
Do., 16.11.2017 um 18.00 Uhr

KURATORENFÜHRUNGEN
Di., 31.10.2017 um 15.00 Uhr mit Thomas Rietschel
Fr., 24.11.2017 um 17.30 Uhr mit Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung
Do., 21.12.2017 um 19.00 Uhr mit Thomas Rietschel

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN

Jeden Donnerstag um 19.00 Uhr
Jeden letzten Freitag im Monat um 17.30 Uhr
Die Teilnahme ist kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten.

WORKSHOPS ZUR AUSSTELLUNG
Durch ihre eigene praktische Arbeit können Schülerinnen und Schüler das Gesehene und Gehörte der Führung vertiefen. Die Themen der kostenfreien Workshops sind: »Kunstwerke weiterdenken«, »Modell vs. Wirklichkeit« und »Viel-Perspektivität oder wer sieht was?«.
Eine Einführung in die Ausstellung und Vorstellung der Workshops für Lehrerinnen und Lehrer findet am 26.10.2017 um 15.00 Uhr statt.

KINDERQUIZ ZUR AUSSTELLUNG
Lustige und spannende Fragen zur Ausstellung werden in unserem neuen Kinderquiz gestellt. Dieses liegt im ART FOYER kostenfrei aus und kann im Sinne einer Schnitzeljagd durch die Ausstellung führen.

PRESSEINFORMATIONEN
Für weitere Presseinformationen und Zugangsdaten zum Bildmaterial wenden Sie sich bitte an:
Frau Uli Kuhn
Mail: uli.kuhn@ukuhn-consulting.de
Telefon: +49 178 322 0182

Pressebilder stehen wie gewohnt kurz vor Eröffnung zum Download bereit.

Pressekontakt

Ansprechpartner für Journalisten

DZ BANK AG

Pressestelle

Platz der Republik60265 Frankfurt am Main

WorkTel. +49 69 7447-6561

Frau Uli Kuhn

WorkTel. +49 178 322 0182

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