DZ BANK [KUNSTSAMMLUNG] - Art Foyer

Presse

Am 9. November 1989 dachten viele Menschen an Deutschland in der Nacht - und waren um den Schlaf gebracht, wie Heinrich Heine in seinem berühmten Gedicht anderthalb Jahrhunderte zuvor. Und wie in des Dichters Versen flossen Tränen aus „Sehnen und Verlangen“. Diesmal waren es Freudentränen.


Zwanzig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer steht im ART FOYER der DZ BANK der 9. November 2009 im Zeichen des fotografischen Rückblicks. In der Ausstellung „Denk ich an Deutschland ... - Positionen ostdeutscher Fotografie aus der DZ BANK Kunstsammlung“ werden Fotografien von über 40 Künstlerinnen und Künstlern vorwiegend aus der ehemaligen DDR gezeigt. Die Ausstellung ist bis 9. Januar 2010 geöffnet.

„Der Jahrestag der Wende, 60 Jahre nach der Gründung von zwei deutschen Staaten, ist für uns Anlass, herausragende Arbeiten zur Geschichte der DDR zueinander in Beziehung zu setzen. Werke zur deutsch-deutschen Thematik erwerben wir seit der Aufnahme unserer Sammlungstätigkeit Anfang der 1990er Jahre kontinuierlich. Die Auswahl für die Ausstellung rückt Fotografien in den Mittelpunkt, die hinter der Fassade von Propagandabildern die soziale Wirklichkeit sowie autonome künstlerische Konzepte hervortreten lassen“, erläutert die Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung, Luminita Sabau.

Das Spektrum reicht von der dokumentarisch geprägten Fotografie in Ostdeutschland über erkennbar abgebildeten Widerspruch zum SED-System bis hin zu innerer Emigration, Resignation und verfremdeten Darstellungen einer illegalen Kunstszene.

Vertreten sind bedeutende Künstler aus der ehemaligen DDR, darunter Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Thomas Florschuetz, Florian Merkel, Evelyn Richter und Gundula Schulze Eldowy. Daneben sind Werkzyklen und Einzelaufnahmen von westdeutschen Künstlern zu sehen, u.a. von Jochen Gerz, Barbara Klemm und Paul Pfarr. Eine Reihe von Arbeiten stammen aus der Zeit nach 1990.

Der inhaltliche Ausgangspunkt der Ausstellung knüpft an die Zeitschrift „Foto-Anschlag“ an. Dahinter verbarg sich der Zusammenschluss von 32 Künstlern, die 1988 den Eigendruck einer Mappe an der Zensur vorbei lancierten. Für die Ausgabe bestimmte jeder Beteiligte einen Text, der mit seinem Bildbeitrag korrespondierte. Die damals in 40 Exemplaren aufgelegte Edition umspannt vielfältige ästhetische Stilrichtungen kurz vor dem Ende des SED-Regimes.

„Das gesellschaftliche Leben bot in den Augen vieler Künstler kein lohnendes Motiv mehr. Die politische Stagnation sorgte dafür, dass sich auch die Gegenbilder zum perfekten Staat seit Jahrzehnten ähnelten: verfallene Städte, zerstörte Umwelt, frustrierte Gesichter, Tod. Deshalb mieden viele künstlerische Fotografen in den 1980er Jahren den Schauplatz Straße und wagten eigene Inszenierungen. Sie suchten einen kreativen Ausweg, um sich von der lästigen DDR-Wirklichkeit zu befreien.“ (Karim Saab, Herausgeber des „Foto-Anschlag“)

Die Originaldrucke aus dem „Foto-Anschlag“ werden im ART FOYER DZ BANK vollständig präsentiert, ergänzt um eine Leseecke mit Büchern und Dokumentationen zur Fotografie in der DDR.

Darüber hinaus befindet sich unter den Exponaten der prominente Fotozyklus „Das Denkmal“ von Sibylle Bergemann (geb. 1941 in Berlin), die von 1975 bis 1986 die Entstehung des Berliner Marx-Engels-Denkmals dokumentierte. Dazu Arbeiten vom ihrem Lehrer und späteren Ehemann Arno Fischer (geb. 1927 in Berlin), der Leitfigur der Fotografie in der DDR. Neben Ausschnitten aus Evelyn Richters (geb. 1930 in Bautzen) seit Ende der 1950er Jahre fortgeführtem Langzeitprojekt „Ausstellungsbesucher“ werden die Werkgruppen „Arbeit“ und „Straßenbilder“ von Gundula Schulze Eldowy (geb. 1954 in Erfurt) vorgestellt.

Der Leipziger Künstler Bertram Kober (geb. 1961) schuf vor rund 15 Jahren in Farbe den Fotoessay „Famos abgewickelt.“ Auf dem brachliegenden früheren Werksgelände der staatlichen Spielzeugfabrik „Famos“ in Leipzig, die 1990 geschlossen wurde, entdeckte der Künstler weggeworfene Spielzeugteile, zerstörte Erinnerungen an die Kindheit.

Fundstücke bestimmen auch das Werk des seit 1961 in Berlin (West) tätigen, gebürtigen Stuttgarter Bildhauers Paul Pfarr (geb.1938). Entlang der deutsch-deutschen Grenze fotografierte er 1989/1990 Baumstämme, die - tief verkerbt - mit dem Stacheldrahtzaun scheinbar symbiotische Verknotungen bilden. „Eingewachsene Zeit“ nennt Pfarr seinen Schwarz-Weiß-Zyklus.

Schwarz-Weiß sind die meisten der Arbeiten aus Ostdeutschland. Farbfotografien konnten sich die Künstler nicht leisten. Florian Merkel (geb. 1991 in Chemnitz) versuchte sich durch ironisierende Kolorierung seiner Bilder zu helfen. Sein Beitrag in der Ausstellung trägt den Titel „Erfahrung“.

Im ART FOYER DZ BANK veranstaltet die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank in Frankfurt am Main regelmäßig Ausstellungen. Die Bank verfügt über eine weltweit anerkannte Sammlung zeitgenössischer Fotografie und visueller Medien mit mehr als 6000 Werken von über 600 Künstlern.

„Denk ich an Deutschland ...“
Positionen ostdeutscher Fotografie aus der DZ BANK Kunstsammlung
mit Werken von Ursula Arnold, Tina Bara, Sibylle Bergemann, Michael Brendel, Kurt Buchwald, Christiane Eisler, Klaus Elle, Arno Fischer, Thomas Florschuetz, Uwe Frauendorf, Else Gabriel, Jochen Gerz, Ernst Goldberg, Rainer Görß, Klaus Hähner-Springmühl, Frank Herrmann, Matthias Hoch, Samia Hussein, Barbara Klemm, Jörg Knöfel, Bertram Kober, Werner Lieberknecht, Carolyn Macartney, Sven Marquard, Florian Merkel, Peter Oehlmann, Dietrich Oltmanns, Paul Pfarr, Gunnar Porikys, Evelyn Richter, Jens Rötzsch, Michael Scheffer, Gundula Schulze Eldowy, Andreas Seeliger, Maria Sewcz, Frank Thiel, Peter Thieme, Viola Vassilieff, Jens Walter, Karin Wieckhorst, Ulrich Wüst.

Pressevorbesichtigung: Montag, 09.11.2009, 16.00 Uhr
mit Luminita Sabau, Leiterin der DZ BANK KUNSTSAMMLUNG,
sowie den Künstlern Matthias Hoch, Florian Merkel, Paul Pfarr und Gundula Schulze Eldowy

Eröffnung: Montag, 09.11.2009, 18.00 Uhr
Begrüßung: Luminita Sabau, Leiterin der DZ BANK KUNSTSAMMLUNG
Einführung: Christoph Tannert, Künstlerhaus Bethanien, Berlin

Öffnungszeiten:
10.11.2009 – 09.01.2010
Di. – Sa. 11 bis 19 Uhr
24.12. 2009 – 02.01.2010 geschlossen

Öffentliche Führungen:
27.11.2009 und 18.12.2009, 17.30 Uhr. Um Voranmeldung wird gebeten.
Telefon: +49 69 7447-99144 oder E.Mail: kunst@dzbank.de

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