DZ BANK [KUNSTSAMMLUNG] - Art Foyer

Presse

Andreas Mühe
Mühe I, 2016-2019
Mischpoche

Die DZ BANK Kunstsammlung zeigt, was Kooperationen in der Kunst hervorbringen können


Hände waschen, Abstand halten, Maske tragen: Getreu dem Motto „Ich schütze dich, indem ich mich schütze“ führt uns die aktuelle Krise den Mehrwert von Kooperationen drastisch vor Augen. Kooperationen lohnen sich aber nicht nur in Krisenzeiten. Unterschiedliche Perspektiven fördern kreative Lösungen. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade Künstler immer wieder die Zusammenarbeit mit anderen Experten suchen. Dabei fordert Kooperation auch „Opfer“: Wenn zwei oder mehr sich zusammentun, entstehen fast zwangsläufig Konflikte. Nur wenn die Konfliktparteien bereit sind, sich mit der Position ihres Gegenübers zu befassen, entstehen alternative Denkmuster und im besten Fall etwas komplett Neues. Diese Idee bezieht auch den Betrachter mit ein, sofern sich dieser offen und unvoreingenommen den Kunstwerken zuwendet. Das Ergebnis: eine klassische Win-Win-Situation.

Die Ausstellung WIN-WIN. SYNERGIEN IN DER KUNST im ART FOYER der DZ BANK zeigt vom 2. September 2020 bis 13. Februar 2021 elf fotografische, teils mehrteilige Werke sowie eine Video-, eine Sound- und zwei raumgreifende Installationen, denen verschiedene Formen der Kooperation zugrunde liegen.

Präsentiert werden Arbeiten von David Claerbout, Jochen Gerz, Beate Gütschow, Jochem Hendricks, Sven Johne, Sara-Lena Maierhofer, Andreas Mühe, Helena Petersen und Adrian Sauer.

Für seine fotografische Soundinstallation hat Adrian Sauer (*1976, Berlin, DDR) „Fotografieren ist“ bei Google eingegeben und diese Aussage von der Suchmaschine zu vielen einzelnen Sätzen vervollständigen lassen. Jeden dieser Sätze hat er verändert, indem er die Aussage ins Negative verkehrt hat. Anschließend ließ er den Text, der einem Gedicht gleicht, von den Schauspielern Charlotte Puder und Felix Preißler vertonen. Die verneinten Inhalte regen den Zuhörer an, die vermeintlichen Thesen zu hinterfragen.

In David Claerbouts (*1969, Kortrijk, Belgien) Animation „Highway Wreck“, 2013, eröffnet sich dem Betrachter eine Szene, die ebenfalls die Imagination befeuert. Das Bild, das Claerbouts in einem Buch über zivile Bauten des Dritten Reichs gefunden hat, zeigt einen jungen Mann in Uniform und zwei Jungen, die ein scheinbar liegen gebliebenes Auto am Straßenrand begutachten. Die rechte Tür steht weit offen, als hätte jemand das Fahrzeug in Eile verlassen.

Leerstellen oder Lücken zu füllen, war auch Beate Gütschows Antritt (*1970, Mainz) in ihrer Serie „Z“, 2015/2016. Darin kombiniert die Künstlerin computeranimierte Zeichnungen geschichtsträchtiger und zum Teil zerstörter Bauten mit fotografischen Fragmenten, die sie selbst aufgenommen hat.

Für sein Tableau „25/05/1973, Banküberfall 1, Neu Isenburg“ hat Jochem Hendricks (*1959, Schlüchtern) fotografische Serien und Filme aus einem Polizeiarchiv zusammengestellt, die die Ereignisse während der Studentenbewegung und Aktionen der RAF dokumentieren. Die einzelnen Aufnahmen ließ er von Magdalena Kopp, Mitbegründerin und aktives Mitglied der Revolutionären Zelle sowie Ex-Frau des Terroristen Ilich Ramírez Sánchez (Carlos), als Silbergelatineabzüge neu entwickeln.

In seiner Werkgruppe „Mischpoche“, 2019, hat Andreas Mühe (*1979, Karl-Max-Stadt, DDR) seine Familienmitglieder in Anlehnung an ein klassisches Familienporträt in unterschiedlichen Konstellationen auf einer Bühne inszeniert. Um die verstorbenen Protagonisten mit ins Bild setzen zu können, ließ er sie – in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Gewerken wie etwa dem Porzellanhersteller Rosenthal – als lebensgroße Figuren nacharbeiten und konfrontiert so die Lebenden mit den Toten.

Für ihre Installation „Cinis I Pompeji“, 2014-2018, hat sich Helena Petersen (*1987, München) mit dem Vulkanologen Corrado Cimarelli zusammengetan. Gemeinsam haben sie Vulkanasche aus Pompeji erhitzt und diese damit in den Ursprungszustand versetzt, der 79 n.Chr. den Tod der Stadtbewohner von jetzt auf gleich herbeigeführt hat. Dabei ist ein Glas-Diapositiv entstanden, das, wenn man es an die Wand projiziert, eben diesen Zeitpunkt wieder ins Leben ruft.

Ein klares „Nein“ zur Kooperation gibt es von den Protagonisten in Sven Johnes (*1976, Bergen auf Rügen) mehrteiliger Fotoarbeit „Anomalien des frühen 21. Jahrhunderts / Einige Fallbespiele“, 2015. Darin kombiniert er Porträts von mehr oder weniger bekannten Gesichtern mit Geschichten über Widerstand, den jeder einzelne von ihnen auf seine Art leistet. Die Texte hat Johne gemeinsam mit dem Autor Sebastian Orlac verfasst.

In ihrer Serie „Kabinette“, 2018, beschäftigt sich Sara-Lena Maierhofer (*1982, Freudenstadt) mit Maßnahmen der Dekolonisation in Deutschland, beispielsweise in völkerkundlichen Museen. Mit ihren baukastenartigen „Foto-Skulpturen“ schafft sie „Echoräume“, in denen etwas an- und nachklingt.

Für seine 48-teilige Serie „Die Zeugen von Cahors“, 1998, hat Jochen Gerz (*1940, Berlin) ältere Einwohnerinnen der französischen Kleinstadt kurz vor der Verurteilung des französischen Politikers Maurice Papon interviewt. Papon war während des Zweiten Weltkrieges für die Deportation von Juden verantwortlich gewesen. Die Schwarzweiß-Porträts der Frauen kombiniert Gerz mit ihren Zitaten und verdichtet diese eindringlich zum Mahnmal.


WIN-WIN. SYNERGIEN IN DER KUNST
2. September 2020 bis 13. Februar 2021
ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung



Download von Pressefotos zur Veröffentlichung:
www.dzbank-kunstsammlung.de/de/presse/pressekontakt/
Benutzer: presse
Passwort: artfoyer


Pressevorbesichtigung: am Dienstag, 1. September 2020 um 11 Uhr*
mit Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung,
zudem werden u.a. die Künstler Jochem Hendricks und Sara-Lena Maierhofer anwesend sein.

Eröffnung*:     Dienstag, 1. September, 14-20 Uhr; aufgeteilt in drei zweistündige Slots
Einführung:     Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung


Ansprechpartnerin:
Freya Ruckelshausen, Pressesprecherin der DZ BANK Kunstsammlung
Tel. +49 69 7447-41456
freya.ruckelshausendzbankde


DZ BANK Kunstsammlung
Die DZ BANK Kunstsammlung umfasst nach über 25-jähriger Sammlungstätigkeit rund 8.000 Kunstwerke von über 800 internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Ihr Schwerpunkt liegt auf zeitgenössischer Kunst in Auseinandersetzung mit dem fotografischen Medium. Im öffentlich und kostenlos zugänglichen ART FOYER werden jährlich drei bis vier Ausstellungen gezeigt, die auf verschiedene Weise das Sammlungskonzept reflektieren.

Weitere Informationen unter www.dzbank-kunstsammlung.de

DZ BANK Kunstsammlung - ART FOYER
Platz der Republik, 60325 Frankfurt/Main
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus I
Öffentliches Parkhaus „Westend“

Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag 11 bis 19 Uhr


VERMITTLUNGSANGEBOT:

Öffentliche Führungen*
Donnerstags um 18 Uhr, an jedem letzten Freitag im Monat um 17.30 Uhr

Kuratorenführung*
Donnerstag, 21.01.2021 18 Uhr mit Dr. Christina Leber

Tandemführung*
Samstag, 07.11.2020, 11 Uhr; Dr. Christina Leber im Dialog mit Hubertus Spieler (Systemischer Berater/Aufsteller und Lehrtrainer, DGfS)
Donnerstag, 17.12.2020, 18 Uhr; Dr. Christina Leber im Dialog mit Prof. Dr. Anja Klöckner (Lehrstuhl für Klassische Archäologie, Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Kinder-Kunsträtsel-Plus
Mit unserem Kunsträtsel können Inhalte der Ausstellung auf spielerische Weise erforscht werden. Das Quiz beinhaltet einen praktischen Kreativteil, der mit Materialien aus unserer »Art-Box« umgesetzt werden kann. Das Rätsel und die Box liegen im ART FOYER für die Kinder bereit.

Kunst für Kids*
Neben den individuell buchbaren Workshops bieten wir an jedem letzten Freitag im Monat von 15.30 bis 17.30 Uhr »Kunst für Kids« an. Die Teilnehmenden können alleine
oder in Kleingruppen zu uns kommen und sich durch eigene künstlerische Praxis den Themen
der Ausstellung annähern. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht. Eltern sind ebenso willkommen.

Fortbildung für Lehrende*
Zu jeder Ausstellung im ART FOYER DZ BANK Kunstsammlung gibt es eine Fortbildung für Lehrende. Diese besteht aus einer einstündigen Führung sowie der Vorstellung der angebotenen Workshops. Das Vermittlungsprogramm wurde an das schulische Curriculum angepasst.

Nächste Termine:
Mittwoch, 09.09.2020, 16.30 bis 18 Uhr
Mittwoch, 21.10.2020, 16.30 bis 18 Uhr

Sonderführungen und -workshops*
Ab einer Gruppengröße von sechs Personen können Sie Führungen auf Anfrage buchen. Dies gilt für Erwachsene wie für Kinder und Jugendliche ab der Grundschule.
Dauer: 30 min/ 60 min/ 90 min/ 120 min 

WORKSHOPS

Ergänzend zu den Führungen werden spannende neue Workshops für Schulklassen angeboten. In ihnen können die Schülerinnen und Schüler das Gesehene und Gehörte durch eigene praktische Arbeit vertiefen. Führungen und Workshops stimmen wir gerne auf bestimmte Fächer und Unterrichtsinhalte ab.
Dauer: 60 min/ 90 min/ 120 min (Führung + Workshop)


Workshop I (Primarstufe)
Mein Museum, meine Geschichte
Sara-Lena Maierhofer hat für ihr künstlerisches Projekt mit Sammlungen ethnologischer Museen gearbeitet. Sie zeigt in ihren Werken unter anderem Abbildungen der dort aufbewahrten Artefakte, die von der Vielfalt sozialer und kultureller Lebensweisen zeugen. Dabei behandelt sie auch die Frage nach der eigenen Identität und deren Entstehung. In der Führung werden Fragen diskutiert wie: Warum sammeln wir? Was sammeln wir? Und inwiefern haben das Warum und das Was des Sammelns etwas mit uns selbst zu tun? Im Workshop gestalten wir anschließend ein eigenes Museum. Dort bringen wir Bilder an die Wand, legen unsere eigene Sammlung an und erzählen durch die ausgestellten Miniaturwerke unsere ganz eigene Geschichte.

Workshop II (Primarstufe, Sek I, Sek II)
Ich sehe was, was du nicht riechst!
So individuell jeder und jede Einzelne von uns ist, so individuell nehmen wir auch die Welt um uns herum wahr. Verschiedene Blickwinkel und damit auch Ansichten einer bestimmten Situation werden zum Beispiel in der Videoarbeit »Highway Wreck« von David Clearbout behandelt. Während der Führung besprechen wir die unterschiedlichen Perspektiven auf einen verunglückten Wagen am Straßenrand und loten aus, wie sich die Wirkung auf uns als Betrachtende verändert. Im Workshop versuchen wir, uns das Werk durch andere Wahrnehmungsformen zu erschließen, indem wir uns beispielsweise fragen: Welche Gefühle löst der Film in uns aus? Welche Gerüche assoziieren wir mit dem Geschehen (Öl, Natur, Wald, Benzin usw.)? Könnte die Arbeit auch in Zahlen oder geometrischen Formen dargestellt werden? Die Teilnehmenden bekommen einen Eindruck davon, wieviel mehr als nur das Sehen dazu beiträgt, sich eine (künstlerische) Wirklichkeit zu erschließen, und wie bereichernd es sein kann, wenn andere Personen ihre eigenen Wahrnehmungen beisteuern.

Workshop III (Sek I, Sek II)
Arrangierte Biografien
Der Künstler Sven Johne und der Autor Sebastian Orlac haben gemeinsam die Arbeit »Anomalien des frühen 21. Jahrhunderts/Einige Fallbeispiele« gestaltet. Sie zeigt auf künstlerische Weise, wie sich durch das Zusammenspiel von Bild und Text Geschichten um Personen spinnen lassen. Die Porträts wählte Johne aus dem Internet aus, die Texte entstanden in Zusammenarbeit mit dem Autor. Durch das Zusammenfügen von Text und Bild wird eine Einheit konstruiert, die wir in der Führung genauer untersuchen. Zugleich hinterfragen wir Möglichkeiten der Selbstdarstellung in den Sozialen Medien. Auch im Workshop beschäftigen wir uns mit der Selbstdarstellung von Personen und der Frage, wodurch diese beeinflusst werden kann. Welche Informationen erhalten wir durch das genaue Betrachten von Porträts? Die Aufgabe wird in Gruppen erarbeitet. Am Ende bringen wir neue Bild- und Textpaare zusammen und besprechen, wie die Porträts im Verbund mit anderen Texten wirken und wie diese Neuorganisation unsere Wahrnehmung der abgebildeten Personen verändert.

Workshop IV (Sek I, Sek II)
Was wäre, wenn …?
In einigen Arbeiten der Ausstellung haben Künstlerinnen und Künstler mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammengearbeitet und geforscht. Die Ergebnisse dieser Kooperationen erlauben uns einen neuen und anderen Blick auf Phänomene oder Ereignisse. In der Führung betrachten wir diese Synergien aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern genauer. Im Anschluss untersuchen wir, wie wissenschaftliche Fakten mithilfe künstlerischer Arbeitsweisen so dargestellt werden können, dass man einen anderen Zugang zu ihnen erhält. Gibt es Dinge in unserem alltäglichen Leben, die verständlicher werden, wenn man sie auf andere Art und Weise kommuniziert? Durch die Hinterfragung bildgebender Verfahren wie beispielsweise das Röntgen entwickeln die Teilnehmenden im Austausch Möglichkeiten, ihre je eigene Wahrnehmung der Welt ins Bild zu setzen.

*Damit wir die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus einhalten können, wird um Anmeldung gebeten. Die Vorsorgemaßnahmen umfassen eine Besucherbegrenzung im Ausstellungsraum von bis zu 35 Personen. Für Kunstführungen gilt die maximale Gruppengröße von 9 Personen. Bitte halten Sie die Abstandsregel von mindestens 1,5 Metern und die Nies- und Hust-Etikette ein sowie das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

Pressekontakt

DZ BANK AG
Pressestelle
Platz der Republik
60265 Frankfurt am Main

Freya Ruckelshausen
Pressesprecherin DZ BANK Kunstsammlung
Tel.: +49 69 744741456
freya.ruckelshausendzbankde

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